Pädagogisches Konzept

Im April 2016 wurde die Gesamtschule am Standort Schulzentrum Seelze vom Land Niedersachsen genehmigt. Damit entsprach das Land dem Wunsch der Seelzer Eltern, eine Gesamtschule einzurichten. Die Planungsgruppe bestehend aus acht Lehrkräften hat am 05.12.2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie bildet das erste Kollegium der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Seelze, welches die neuen Schülerinnen und Schüler im Jahrgang 5 zu Beginn des Schuljahres 2017/18 begrüßen wird. Dann nimmt die Gesamtschule in Seelze ihre pädagogische Arbeit auf.

 

Leitgedanken der IGS durch den Namensgeber

Warum erhält die Schule den Namen Bertolt Brecht? Bertolt Brecht war ein berühmter Dichter, der 1898 in Augsburg geboren und der 1956 in Berlin gestorben ist. Brecht hat in seinem vielfältigen Werk erzieherisch gewirkt. Er war ein Vorkämpfer für benachteiligte Gruppen; niemand sollte ausgegrenzt werden, alle sollten mitgenommen werden. „Wer A sagt, muss nicht B sagen, er kann auch erkennen, dass A falsch war“ – Diese Worte Bertolt Brechts machen in der Kürze deutlich, worum es eigentlich geht. Der gerade Weg muss nicht der richtige sein, auch ein anderer, nicht gradliniger Weg, kann zum Ziel führen. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, sich einzugestehen, dass der erste Weg falsch war. Aus diesem Geist heraus verpflichtet sich die IGS Seelze, die Gedanken Brechts weiter leben zu lassen. Seine Gedanken bilden das Leitbild der pädagogischen Arbeit ab. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Sinne Brechts zur Kritikfähigkeit erzogen werden. Sie sollen ihr eigenes Handeln und das von anderen hinterfragen. Ferner sollen sie die gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen. Sie sollen sich durch den Lebensentwurf Bertolt Brechts inspirieren lassen, eigene Wege zu gehen. In diesen Gedanken arbeitet die Lebens- und Lerngemeinschaft der IGS Seelze.

 

Bausteine der pädagogischen Arbeit

Konkret beschreiben drei Bausteine das Lernen an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule: „Verschieden sein – Kooperativ sein – Erfolgreich sein“. Die Gesamtschule ist offen für alle Schülerinnen und Schüler. Hier finden alle ein Zuhause.

 

Ziele

Vordergründiges Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler der  Bertolt-Brecht-Gesamtschule mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen so zu fördern, dass die Schülerinnen und Schüler den für sie angestrebten Schulabschluss erreichen können. Mehr Bildungsgerechtigkeit durch individuelle Förderung Einzelner mit Schwächen und Stärken soll zum Erfolg führen. Die Lehrerinnen und Lehrer begleiten und unterstützen in der Gesamtschule die individuellen Lernprozesse der ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler, damit die Schülerinnen und Schüler ihre gesetzten Ziele verwirklichen können. Für den Lernerfolg sind die Schülerinnen und Schüler selbst verantwortlich. Die Mitwirkung von Eltern bei den Entscheidungsprozessen sowie bei der gemeinsamen Gestaltung des Schullebens ist gewünscht und gewollt. Sie sind ein wichtiges Bindeglied der pädagogischen Arbeit an der Bertrolt-Brecht-Gesamtschule.

 

Abschlüsse

Die Gesamtschule umfasst zunächst im Sekundarbereich I die Jahrgänge 5 – 10. Folgende Schulabschlüsse können an der IGS erzielt werden:

 

·       Hauptschulabschluss nach Klasse 9

·       Realschulabschluss nach Klasse 10

·       Erweiterter Realschulabschluss mit der Berechtigung zum Übergang in die Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II nach Klasse 10

 

Angestrebt wird die Errichtung einer gymnasialen Oberstufe im Sekundarbereich II, damit auch der höchste Schulabschluss, die Allgemeine Hochschulreife, in der Gesamtschule erreicht werden kann. Der Antrag auf Erweiterung einer Schule um die gymnasiale Oberstufe kann erst zu einem späteren Zeitpunkt gestellt werden, wenn die ersten Jahrgänge der IGS laufen und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt worden sind.

 

Lernerfolge

In der Gesamtschule Seelze rückt jede Schülerin und jeder Schüler bis Klasse 10 auf. Es gibt kein Sitzenbleiben. Niemand wird zurückgelassen. – Dieses Motto ist ein wichtiger Leitgedanke der Schule. Die Schülerinnen und Schüler werden nicht abgeschult, sondern sie haben alle Möglichkeiten, sich individuell entwickeln zu können, um den für sie höhsten Bildungsabschluss erreichen zu können. Es werden keine Ängste wegen möglicher schlechter Zensuren aufgebaut, sondern es werden Lernangebote gereicht, die eine individuelle Entwicklung des Einzelnen möglich machen. Zensuren gibt es bis zum Ende des achten Jahrgangs nicht. Die IGS Seelze hat sich in den Jahrgangsstufen 5 – 8 für ein System der Rückmeldung entschieden. Die Schülerinnen und Schüler erhalten schriftliche Rückmeldungen über ihre Lernerfolge. Zusätzlich finden wöchentliche Entwicklungsgespräche statt, die das Ziel haben, die Schülerinnen und Schüler in ihren Lernständen zu fordern oder zu fördern. Sie werden in ihren Stärken gelobt und gefordert; bei herausgestellten Schwächen werden sie unterstützt und ermutigt. Statt Zeugnisse erhalten die Schülerinnen und Schüler am Ende der Halbjahre und am Ende des Schuljahres sogenannte Lernentwicklungsberichte (LEB), die Auskunft über den jeweiligen Leistungsstand geben. Wichtig sind die aufgeführten Hinweise für die weitere Förderung in der Gesamtschule. Am Ende des ersten und des zweiten Halbjahres der 9. und der 10. Klasse werden Notenzeugnisse erteilt; qualifizierte Schulabschlüsse werden erreicht. Verkürzte Lernentwicklungsberichte werden den Notenzeugnissen in der Anlage beigefügt.

 

Arbeit in Lernbüros

Getreu der Philosophie der Bertolt-Brecht-Gesamtschule wird das Lernen als selbstverantwortlicher und selbstgesteuerter Prozess begriffen. Das Lernen findet in sogenannten Lernbüros statt. Die Schüler können ihr eigenes Lernvorhaben planen, durchführen und reflektieren.

Die Bertolt-Brecht-Gesamtschule bietet das Lernbüro für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Gesellschaftslehre (Geschichte, Erdkunde, Politik-Wirtschaft) an. Jeder Schüler entscheidet selbst darüber, wann und in welchem Fach er im Lernbüro arbeiten möchte. Bedingung ist nur, dass der Schüler alle Fächer abdeckt und dass er die gesteckten Lernziele erreicht.

Konkret ist das Prinzip des Lernbüros wie folgt zu verstehen: Das Lernbüro ist ein Klassenraum, der Gruppentische und Regale aufweist. In den Regalen befinden sich Schulbücher, Materialkoffer, Kassettenrekorder, Schere, Tacker, Klebstoff und die sogenannten Bausteine. In unterschiedlichen Niveaus werden Karteikästen, das sind die Bausteine, zu den verschiedenen Themen der jeweiligen Fächer bereit gestellt. Wenn sich der Schüler im Jahrgang 5 für das Lernbüro Deutsch entscheidet, dann sucht er sich zu dem Thema „Märchen“ einen Baustein aus und befasst sich damit. Der Lernpfad zu diesem Thema gibt vor, welche Stunden zum Erlernen aufgebracht werden müssen, damit der Schüler das Ziel erreicht. Hat der Schüler in der vorgesehenen Zeit, alle Lernstände zu diesem Thema erfasst, dann kann er sich zu einem Termin für die Überprüfung anmelden.

Die Leistungsrückmeldung wird in einem Zertifikat bescheinigt. Hier wird dem Schüler Auskunft gegeben, welche Kompetenzen er erreicht hat. Ferner wird ihm eine Rückmeldung über die Arbeitsweise im Lernbüro und über Verbesserungen mitgeteilt.

  

Jahrgangsteams und Teambesprechungen

Der Gemeinschaftsgedanke ist ein wichtiger Baustein an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule. Nicht nur die Schülerinnen und Schüler leben diesen Gedanken, auch die Lehrkräfte fühlen sich der Teamarbeit verpflichtet.

Am Ende jeder Woche findet am Freitag eine Teamsitzung der Lehrkräfte des jeweiligen Jahrgangs statt. Daran nehmen nicht nur die Klassenlehrer, sondern auch die Fachlehrer des Jahrgangs teil. Diese Besprechung wird vom Jahrgangsleiter geführt. Ziel ist es, alle Dinge, die in der Woche aufgetreten sind, positiver oder negativer Natur, zu bespechen, sodass alle Lehrkräfte mit wichitgen Informationen versorgt werden.